Corvette Z06 Cabriolet – Dem Himmel so nah

Mit ur-amerikanischem Antlitz und kraftvollem Achtzylinder-Kompressor-Motor beschert die Corvette Z06 Liebhabern besonderer Automobile ein unvergessliches Erlebnis.

Zeitlosigkeit in Reinkultur ist dabei genauso maßgeblich wie eine Klangkulisse voller Vehemenz, welche den Puls beschleunigt und Understatement für einen Augenblick der Verzückung in Vergessenheit geraten lässt.

 

Das Design der Corvette Z06

Ein Blick auf die weiße Corvette Z06 offeriert dem Betrachter eine leidenschaftlich gezeichnete Sportwagen-Silhouette, wie sie puristischer kaum sein könnte. Der typische Corvette-Charakter wird dabei stets beibehalten, während die Moderne Einzug hielt und die markante, sehr flache Front beispielsweise mit Bi-Xenon-Scheinwerfern bespielt.

Apropos Front: Kantig, grimmig und wie ein Pfeil wirkend, kauert die Z06 quasi auf dem Asphalt, wartet scheinbar nur darauf, von einem versierten Fahrer zum Einsatz abkommandiert zu werden.

Weit außen angebrachte Scheinwerfer und markant ausgestellte Kotflügel unterstreichen die Breite des Fahrzeugs, während auf der schier endlos langen Motorhaube Luftauslässe ihrer entsprechenden Funktion nachgehen. Nicht zu vergessen das Corvette-Logo am Bug, welches etwaige, falls noch bestehende, Zweifel zur Markenzugehörigkeit endgültig ausräumt.

Seitlich betrachtet, fällt eine nach hinten ansteigende Linienführung auf, welche die geduckte Haltung noch weiter betont und ihren Abschluss in einem kleinen Heckspoiler findet. Es sei am Rande erwähnt, dass die Corvette Z06 vorne über 19-Zoll- und hinten über 20-Zoll-Räder verfügt.

Am Heck des Fahrzeugs angekommen, wirkt dieses sogar noch breiter als die ohnehin schon gestreckte Frontpartie, was Freunde amerikanischer Sportwagen nur lieben können. Vier U-förmige LED-Heckleuchten und eine zusammenliegende, vierflutige Abgasanlage sind das Statement einer Legende und geben einen Ausblick auf das, was fahrerisch auf die beiden Passagiere zukommen wird.

Da unser Testfahrzeug als Cabriolet zu uns rollte, bedeckt eine kleine Stoffmütze den Innenraum, die – heruntergefahren – den Purismus abermals fördert.

 

Es zieht ein Sturm auf

Ein gewaltige 6,2 Liter großer V8-Motor dient als Basis für die Corvette Z06, ein Kompressor übernimmt derweil die Leistungssteigerung auf sage und schreibe 659 PS.

Wenngleich die Corvette für einen Supersportwagen typisch über Heckantrieb verfügt, so fallen unglaubliche 881 Newtonmeter über die beiden hinteren Räder her.

3,7 Sekunden sind nur ein Wimpernschlag

und trotzdem fühlt es sich so intensiv, so theatralisch und doch so faszinierend an, dass einem der Atem stockt. Genauso viel Zeit benötigt die Corvette Z06 für den Sprint von Null auf 100 km/h. Doch hier ist noch lange nicht Schluss, der Vortrieb ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 310 Stundenkilometern, was der Supersportwagen auch spielerisch erreicht.

Untermalt wird diese Achterbahnfahrt von einer Akustik, die für Endzeitstimmung garantiert und besonders bei geöffnetem Verdeckt die Sinnesflutung maßgeblich unterstützt. Das sanfte Wummern im Stand erstreckt sich über ein mächtiges Brüllen, welches kurz vor dem Begrenzer in ein heiseres Bellen übergeht.

Nahezu barbarisch drischt die einst so sanft schaltende Achtgang-Automatik im Track-Modus den nächsten Gang hinein, dass es einem angst und bange wird.

Zurück auf der Landstraße stellen wir im Tour-Modus eine echte Wesensveränderung fest. Das sanfte Wummern hält sich nun im Hintergrund, die adaptiven Dämpfer arbeiten für einen Supersportwagen sehr komfortabel und das Handling erscheint nun kinderleicht.

Diente etwa Dr. Jekyll und Mr. Hyde als Vorlage für dieses phänomenale Auto?

 

Über Leidenschaft und Reisetauglichkeit

Abseits der bloßen Faszination für den Rausch durch Extreme, bleiben für viele Interessenten jedoch auch praktische Aspekte nicht völlig aus und so möchten wir ein wenig über die verborgenen Qualitäten unserer Corvette Z06 Convertible philosophieren.

Häufig kommt es vor, dass Sportwagen – so schick sie auch sein mögen – Alltagstauglichkeit als etwas Unsinniges abtun und dementsprechend vorrangig als Zweit- oder Drittwagen infrage kommen. Doch muss das nicht immer der Fall sein, die Z06 macht es vor. Das Kofferraumvolumen beträgt hier 243 Liter.

Das ist sicher nicht konkurrenzfähig mit dem Durchschnitts-PKW der Kompaktklasse, konnte in unserem Test aber für immerhin zwei Weekender, ein Strandtuch, zwei Laptoptaschen und zwei Jacken genügen. Selbst bei geöffnetem Verdeck stehen noch immer 171 Liter an Volumen zur Verfügung. Aus Sicht der Redaktion ist dies alles andere als unpraktisch.

Neben dem Platzangebot fürs Gepäck, bleibt noch die Frage nach den Fahreigenschaften im Alltag, die wir bereits kurz angesprochen haben. Sicherlich müssen Abstriche im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen gemacht werden, doch hätten wir vorher nicht gedacht, dass die zivile Fortbewegung der Corvetten Zier ist.

Besonders im Tour-Modus erwies sich die Lenkung als leichtgängig und das Fahrwerk als kommod. Lange Strecken sind mit der Corvette Z06 problemlos zu absolvieren, Rückenprobleme tauchen sicherlich keine auf und auch der Kraftstoffkonsum, der oftmals als jenseits von Gut und Böse deklariert wird, hielt sich bei unseren Testfahrten arg in Grenzen.

Angegeben mit rund 14 Litern, unterboten wir diesen Wert um reichlich anderthalb Liter, was in den Sportwagensphären doch einen hohen Seltenheitswert innehat. Sportliche Fahrweisen übersteigen den Wert natürlich signifikant, während die gemütliche Ausfahrt über Land problemlos Werte unter zehn Liter generiert.

Wir möchten zudem am Rande erwähnen, dass die Corvette Z06 auch preislich zu den attraktiven Fahrzeugen im Segment gehört. Knapp 128.000 Euro werden für die offene Variante fällig, selbst mit entsprechender Sonderausstattung lässt sich der Gesamtpreis nur sehr zäh über die 140.000-Euro-Marke bringen. Vergleicht man dies mit anderen Fahrzeugen der gleichen Leistungsklasse, so dürfen hier gut und gerne noch ein paar Zehnerschritte hinzugefügt werden.

Um die eingangs gestellte These nun hinreichend zu belegen, sagen wir Ja. Ja zu einem Sportwagen mit Legendenstatus. Ja zu einem Fahrzeug, das trotz Rennsportambitionen und fast 660 PS zivil im Alltag bewegt werden kann. Und Ja zu einem Exoten, der viele Vorurteile binnen kürzester Zeit ad absurdum führt und sich als echte Alternative zu seiner etablierten Konkurrenz positioniert.

 

Fazit – Eine Legende als Begleiter

Die Corvette Z06 polarisiert und fällt auf, das steht außer Frage. In Ihren Genen verankert, ist die pure Leidenschaft für den Rennsport, die Optik ist kompromiss- und hemmungslos und doch verkörpert sie wie kaum ein anderes Fahrzeug den ur-amerikanischen Charme vergangener Tage mit der nötigen Würze, um sich in einer modernen Gesellschaft behaupten zu können.

Sie ist nicht für jedermann, sie ist auch kein Highend-Fahrzeug á la Bentley Continental. Jedoch weiß sie um ihren Exotenstatus, ermöglicht einen Trackday ohne Reue und bietet sich auch für den Kurztrip am Wochenende an. Dieses Zusammenspiel findet man nicht oft im Segment der Supersportler, was als weiterer Pro-Aspekt gewertet werden kann.

Als Individualist mit brachialer Power und dem Hang zum Auffallen, sichert sich die Corvette Z06 einen verdienten Platz in einer Klasse, die von Kindesbeinen an begeistert und ihre Faszination weit über die Landesgrenzen hinaus versprüht.

Fotografien: FYLE

Kamera: Canon EOS 6D

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